Definition
Dünne, per Laser geschnittene Schlitze im Stammblatt, die vom Rand nach innen laufen. Sie lassen den Stahl sich bei Hitze ausdehnen, ohne dass das Blatt verzieht. Zugleich dämpfen sie Schwingungen, was das Blatt leiser und ruhiger laufen lässt.
Einordnung
Beim Sägen erwärmt sich der Zahnkranz durch Reibung stärker als die Blattmitte, die von der Spindel gehalten wird. Der Rand dehnt sich aus, das Zentrum bleibt kühl. Ohne Ausgleich entstehen Spannungen, das Blatt wölbt sich, schlägt seitlich aus und die Schnittfläche wird wellig. Dehnungsschlitze geben dem Stahl Platz zum Dehnen. Sie enden oft in einem kleinen Loch, das Spannungsspitzen verteilt und verhindert, dass der Schlitz weiterreißt. Die Hitze entsteht vor allem bei stumpfen Zähnen und zu schnellem Vorschub.
Die Schlitze sind ein Qualitätsmerkmal von Blättern für größere Durchmesser, auch bei 254 mm und darüber. Zugleich wirken sie als Lärmminderung: Der Schlitz unterbricht die Resonanz des Blattkörpers, der sonst wie eine Glocke schwingt. Manche Hersteller füllen sie mit Kupfer oder Kunststoff, um das Dämpfen zu verstärken. Die Anzahl und Form variiert: Form und Verlauf der Schlitze unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller, und mehr Schlitze bedeuten nicht automatisch mehr Qualität. Hochwertige Blätter bieten außerdem eine gute Laufruhe in jeder Höhenstellung.
Fehler zeigen sich als Risse an den Schlitzenden. Sie entstehen durch Überhitzung, stumpfe Zähne, einen Aufprall oder zu langen Betrieb im Harz. Ein gerissenes Blatt gehört sofort aus dem Verkehr; das Verschweißen oder Aufbohren eines Risses ist keine Reparatur. Reinige Harz und Pech regelmäßig mit einem geeigneten Reiniger, denn verklebte Schlitze arbeiten nicht mehr als Dehnungsraum. Abzugrenzen sind die Dehnungsschlitze von Spankammern und Löchern für den Mitnehmer, die einer anderen Aufgabe dienen. Prüfe gebrauchte Blätter auf Haarrisse, bevor du sie montierst.
Worauf es ankommt
Beim Sägeblattkauf siehst du Dehnungsschlitze auf einen Blick. Sie sind ein Hinweis auf ein sauber gefertigtes Blatt, das ruhig läuft, aber keine Gewähr für Schärfe oder Zahnform. Achte außerdem auf die Verklebung durch Harz und auf Haarrisse nach dem Einsatz. Wie du Blätter pflegst, wechselst und beurteilst, erfährst du in unserem Ratgeber zum Blattwechsel. Ein Blick auf die Schlitze gehört zur Kontrolle vor jedem Wechsel. Mehr dazu: Blatt prüfen und wechseln.
Weiter im Glossar
- Kreissägeblatt
- Hartmetall (HM)
- Drehzahl
- Zähnezahl
- Flachzahn (FZ)
- Spanwinkel
- Sägeblattbohrung
- Wechselzahn (WZ)
Häufige Fragen
Wozu dienen Dehnungsschlitze im Sägeblatt?
Sie nehmen die Wärmedehnung des Stahls auf, damit sich das Blatt nicht verzieht, und dämpfen Schwingungen. Dadurch läuft das Blatt ruhiger, der Schnitt bleibt gerade und die Geräuschentwicklung sinkt. Bei großen Durchmessern sind sie besonders wichtig.
Was tun, wenn an einem Dehnungsschlitz ein Riss entsteht?
Das Blatt nicht mehr benutzen und ersetzen. Ein Riss kann sich unter Last ausbreiten, und das Blatt zerspringt im Extremfall. Reparaturen durch Schweißen oder Bohren sind nicht sicher. Entsorge das Blatt und besorge ein neues mit passenden Daten.
Haben alle Kreissägeblätter Dehnungsschlitze?
Nein. Kleine und sehr dünne Blätter kommen oft ohne aus, ebenso einfache Ausführungen. Bei größeren Hartmetallblättern ab etwa 200 mm sind sie üblich. Ob sie nötig sind, hängt von Durchmesser, Dicke und Einsatz ab.



