An der laufenden Kreissäge trägst du keine Handschuhe. Die BGHM schreibt in ihrer Schrift zu Holzbearbeitungsmaschinen, dass an Maschinen mit drehenden Werkzeugen keine Handschuhe getragen werden, weil das Gewebe vom Werkzeug erfasst und eingezogen werden kann. Schnittfeste Handschuhe sind sinnvoll beim Blattwechsel, wenn der Netzstecker gezogen ist. Zum Schieben schmaler Teile nimmst du stattdessen einen Schiebestock oder Werkstückschieber.
Inhalt
Sicherheit
Ziehe die Handschuhe aus, bevor du die Säge einschaltest, und lege sie außer Reichweite des Blatts ab. Ein Handschuh, den das Blatt erfasst, zieht die Hand mit. Das gilt auch für lose Ärmel, Schmuck und Schals. Rutscht das Werkstück oder klemmt etwas, schaltest du die Säge aus und wartest, bis das Blatt stillsteht. Schutzhaube und Spaltkeil bleiben immer montiert.
Dürfen Handschuhe an der Tischkreissäge getragen werden?
Nein, nicht an der laufenden Säge. In der BGHM-Schrift „Holzbearbeitungsmaschinen TSM“ steht unter den allgemeinen Sicherheitshinweisen: „An Maschinen mit drehenden Werkzeugen keine Handschuhe tragen.“ Die Regel gilt für Tischkreissäge, Kappsäge, Fräse, Bohrmaschine und Hobel gleichermaßen.
Auch die DGUV Regel 112-195 „Benutzung von Schutzhandschuhen“ warnt. Dort heißt es, bei bestimmten Arbeitsprozessen wie Arbeiten an der Kreissäge könne die Verwendung von Schutzhandschuhen das Risiko erhöhen. Für Bohrmaschinen ist das Tragen ausdrücklich verboten. Dieselbe Regel führt in ihrer Checkliste das „Erfasstwerden durch drehende Teile“ als eigene mechanische Gefährdung auf.
Für dich als Heimwerker gelten diese Schriften nicht als Gesetz. Sie zeigen aber, was die Unfallversicherung als sichere Praxis sieht. Halte dich daran.
Warum Handschuhe an drehenden Werkzeugen gefährlich sind
Das Sägeblatt dreht sich schnell. Eine Rechnung macht das greifbar: Das Blatt der Bosch Professional GTS 10 XC hat laut Datenbank 254 mm Durchmesser und läuft im Leerlauf mit 4.200 Umdrehungen pro Minute. An den Zahnspitzen entspricht das rechnerisch rund 56 Metern pro Sekunde, also etwa 200 Kilometern pro Stunde. Die Leerlaufdrehzahlen der 39 Modelle mit Angabe reichen von 2.950 bis 7.000 Umdrehungen pro Minute.
Bei diesem Tempo reicht ein loser Stoffzipfel. Greift ein Zahn das Gewebe, wird nicht der Handschuh abgestreift, sondern die Hand hineingezogen. Auch ein eng sitzender Handschuh nimmt dir die Sicherheit nicht ab, denn die DGUV Regel nennt Passform und äußere Gestaltung als Faktoren fürs Erfasstwerden. Dazu kommt: Die Regel verlangt, den Schutz gegen Tastgefühl und Greifvermögen abzuwägen. Mit Handschuh spürst du schlechter, ob das Brett am Anschlag anliegt oder verkantet.
Das Hauptproblem: Erfassen und Einziehen
Die DGUV Regel führt in ihrer Übersicht der Risiken für Träger von Schutzhandschuhen das „Erfasstwerden durch Teile“ auf. Ausschlaggebend sind Passform und äußere Gestaltung. Auch Handschuhe, die für andere Arbeiten gut sind, können an der Säge zur Falle werden. Der Schutz gegen Schnitte nützt dir nichts, wenn das Blatt die Hand mitnimmt.
Die BGHM verlangt außerdem an Maschinen eng anliegende Kleidung und keine Schmuckstücke. Das Prinzip ist dasselbe: Nichts soll am Körper baumeln, was das Blatt greifen kann.
Wann Handschuhe sinnvoll sind
Handschuhe sind kein Tabu, sondern eine Frage des Zeitpunkts. Die Faustregel lautet: nur bei Stillstand und nur, wenn die Säge sicher vom Netz getrennt ist. Die BGHM nennt in ihrer Praxishilfe „Arbeitsschutz kompakt 121“ für Tisch- und Montagekreissägen: Bei Werkzeugwechsel schnittfeste Handschuhe tragen. Vorher trennst du die Maschine vom Stromnetz.
| Situation | Handschuhe? | Begründung |
|---|---|---|
| Säge läuft, Werkstück vorschieben | Nein | Erfassen und Einziehen durch das Blatt |
| Schmale Teile am Blatt vorbeischieben | Nein | Schiebestock oder Schiebeholz verwenden |
| Späne und Abfälle am Blatt entfernen | Nein | Säge aus und Stillstand abwarten, im Gefahrenbereich nur Hilfsmittel |
| Anschläge und Schnitthöhe einstellen | Nicht nötig | Einstellen im Stillstand, Tastgefühl hilft |
| Sägeblatt wechseln | Ja, schnittfest | Netzstecker gezogen oder Akku entnommen, Blatt steht still |
| Bretter tragen und stapeln | Sinnvoll | Allgemeine Einordnung: Splitter und raue Kanten, Säge aus und weit entfernt |
Beim Blattwechsel
Ein Sägeblatt mit Hartmetallzähnen hat scharfe Kanten, auch wenn es steht. Hier schützen schnittfeste Handschuhe. Wie der Wechsel Schritt für Schritt abläuft, steht im Ratgeber Sägeblatt wechseln. Vorher ziehst du den Netzstecker oder nimmst den Akku heraus. Das gilt ohne Ausnahme.
Verlass dich nicht darauf, dass ein Handschuh ein laufendes Blatt aufhält. Die BGHM nennt ihn nur für Arbeiten am Stillstand.
Beim Holztragen
Rohe Bretter splittern, Kanten sind scharf. Zum Tragen und Stapeln sind Handschuhe angenehm, das ist eine allgemeine Einordnung ohne Normzitat. Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst Handschuhe aus, dann an die Maschine.
Alternativen: So schützt du deine Hände stattdessen
Statt Handschuhen setzt die BGHM auf Abstand. Der Gefahrenbereich um das Sägeblatt beträgt 120 mm. Schmale Werkstücke mit einer Breite unter 120 mm schiebst du mit dem Schiebestock. Bei sehr schmalen Teilen mit 30 mm Breite oder weniger verwendet die BGHM wegen der Schutzhaubenbreite ein Schiebeholz, das du selbst zuschneidest. Der Schiebestock geht dabei bis hinter den Spaltkeil durch.
Die Hilfsmittel stehen griffbereit an der Säge. Verschlissene Schiebestöcke oder Schiebehölzer ersetzt du rechtzeitig. Die Datenbank führt drei Werkstückschieber, die den Abstand zum Blatt sichern.
Schiebestock
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Die richtige Handhaltung
Schiebestock allein reicht nicht, wichtig ist die Haltung. Beim Vorschub legst du die Hände mit geschlossenen Fingern flach auf das Werkstück. Beim Nuten etwa führt nach der BGHM die linke Hand das Werkstück nur bis höchstens 120 mm an die Schutzhauben-Vorderkante heran, danach übernimmt die Schutzhaube das Andrücken. Splitter, Späne und Abfälle entfernst du ebenfalls mit Hilfsmitteln, nicht mit der Hand.
Weitere Regeln zur Bedienung findest du im Ratgeber Tischkreissäge sicher bedienen. Eine Säge mit Spaltkeil und absaugbarer Schutzhaube erleichtert das sichere Arbeiten. In der Datenbank nennen 21 Modelle den Spaltkeil ausdrücklich und 25 eine Schutzhaube mit Absaugung. Welche Modelle gut ausgestattet sind, zeigt die Liste der besten Tischkreissägen.
Praxis-Tipp
Hänge Schiebestock und Schiebeholz direkt an die Säge oder an die Wand daneben. Was nicht griffbereit ist, benutzt du bei kurzen Schnitten nicht. Ein Schiebeholz kannst du dir aus Restholz selbst zuschneiden.
Was du stattdessen trägst
Die persönliche Schutzausrüstung an der Säge besteht aus mehr als der Frage nach Handschuhen. Die BGHM nennt eng anliegende Kleidung, Sicherheitsschuhe und Gehörschutz. Schmuck legst du ab, lange Haare bindest du zusammen. Eine Schutzbrille schützt vor Spänen und wegfliegenden Teilen.
Besonders wichtig ist der Gehörschutz, weil Tischkreissägen laut Herstellerangaben mit 85 bis 99 dB(A) arbeiten. Welche Bauform sich eignet, steht im Beitrag Gehörschutz in der Werkstatt.
Typische Fehler
- Dünne Arbeitshandschuhe „nur kurz“ an der Säge. Das Blatt unterscheidet nicht zwischen dünn und dick.
- Handschuhe vor der Säge liegen lassen. Lege sie weit weg, nicht auf den Tisch.
- Abfälle mit der Hand wegschieben. Warte, bis das Blatt steht, oder nimm einen Schiebestock.
- Schmale Teile mit den Fingern führen. Der Gefahrenbereich ist 120 mm breit.
- Abgenutzten Schiebestock weiterverwenden. Ersetze ihn, sobald er verschlissen ist.
Fachbegriffe zum Thema
Häufige Fragen
Darf ich Handschuhe beim Sägen tragen?
An der laufenden Säge nicht. Die BGHM schreibt, dass an Maschinen mit drehenden Werkzeugen keine Handschuhe getragen werden. Das Blatt kann Gewebe erfassen und die Hand mitziehen. Handschuhe sind nur bei Stillstand sinnvoll, etwa beim Blattwechsel mit gezogenem Netzstecker.
Brauche ich Handschuhe zum Sägeblattwechsel?
Ja, schnittfeste Handschuhe sind dafür sinnvoll. Die BGHM empfiehlt sie beim Werkzeugwechsel. Vorher ziehst du den Netzstecker oder nimmst den Akku heraus, damit die Säge nicht anlaufen kann. Das Blatt muss still stehen.
Was ist besser als Handschuhe zum Schutz der Hände?
Abstand und Hilfsmittel. Ein Schiebestock oder Schiebeholz führt schmale Werkstücke am Blatt vorbei. Außerdem legst du die Hände mit geschlossenen Fingern flach auf das Werkstück und bleibst aus dem Gefahrenbereich von 120 mm um das Blatt heraus.
Gilt das Handschuhverbot auch für Kappsäge und Oberfräse?
Ja. Die BGHM-Regel gilt für alle Maschinen mit drehenden Werkzeugen, also auch für Kappsäge, Fräse, Hobel und Bohrmaschine. Bei der Bohrmaschine ist das Tragen von Schutzhandschuhen laut DGUV Regel 112-195 ausdrücklich verboten.
Sind eng anliegende Handschuhe ungefährlich?
Nein. Die DGUV nennt das Erfasstwerden ausdrücklich als Risiko und Passform und Gestaltung als Einflussgrößen. Außerdem sollst du bei der Auswahl Schutz und Tastgefühl abwägen. Verzichte deshalb an der laufenden Maschine ganz auf Handschuhe, auch auf eng anliegende.
Quellen
- Holzbearbeitungsmaschinen TSM: Handhabung und sicheres Arbeiten (BG-Nr. 96.18), BGHM, Mai 2020, abgerufen am 20.10.2026
- DGUV Regel 112-195: Benutzung von Schutzhandschuhen (früher BGR 195), DGUV, abgerufen am 20.10.2026
- Arbeitsschutz kompakt 121: Tisch- und Montagekreissägemaschinen, BGHM, abgerufen am 20.10.2026
- Sicheres Arbeiten an Tisch- und Formatkreissägemaschinen (UWH-011), BGHM, abgerufen am 20.10.2026
- Tisch- und Formatkreissägen (Schrift B 252), abgerufen am 20.10.2026
- Herstellerangaben laut Modell-Datenbank, Beispiel Bosch Professional GTS 10 XC, Bosch, abgerufen am 20.10.2026






