Definition
Beim Schrägschnitt ist das Sägeblatt gegenüber dem Tisch geneigt, meist zwischen 0 und 45 Grad, sodass die Schnittfläche nicht senkrecht zur Werkstückoberfläche steht. Die Tischkreissäge erzeugt damit Fasen, Kantenwinkel und Gehrungsfugen über die gesamte Materialdicke hinweg.
Einordnung
Bei einem Schrägschnitt kippt das Blatt samt Motor und Welle aus der Senkrechten, das Werkstück bleibt flach auf dem Tisch liegen und läuft wie gewohnt am Parallelanschlag entlang. Eingestellt wird die Neigung meist über ein Handrad, das an einer Skala den Winkel anzeigt; die meisten Tischkreissägen erreichen 45 Grad, manche etwas mehr. Auf welche Seite das Blatt kippt, unterscheidet sich je nach Modell, das Datenblatt verrät es. Die Schnittfläche liegt danach schräg zur Oberfläche, und Kanten werden angefast oder für Gehrungsverbindungen vorbereitet.
Mit der Neigung verändert sich einiges: Das Blatt steht schräg im Tisch, deshalb sinkt die maximale Schnitthöhe, bei 45 Grad grob um ein Viertel bis ein Drittel. Die Tischeinlage braucht einen ausreichend weiten Schlitz, damit das geneigte Blatt nirgends anschlägt, und eine eng gefräste Nullspalteinlage ist oft nur für den senkrechten Schnitt gedacht. Praktisch brauchst du Schrägschnitte für Kistenecken auf Gehrung, Kästen mit schrägen Wänden, abgeschrägte Tischkanten und Fasen an Regalböden.
Wer Gehrungsschnitt und Schrägschnitt verwechselt, bestellt Zuschnitte falsch: Bei der Gehrung dreht sich das Werkstück, beim Schrägschnitt kippt das Blatt. Typische Fehler sind eine Skala, die nicht auf null justiert ist, ein Anschlag, der bei geneigtem Blatt nicht mehr bündig steht, und ein Abschnittstück, das zwischen Blatt und Anschlag eingeklemmt werden kann. Prüfe deshalb den Winkel mit einem Winkelmesser am Blatt, nicht nur an der Skala, und lass dem Abschnitt Platz. Spaltkeil und Schutzhaube bleiben auch beim geneigten Schnitt montiert; ob der Keil mitschwenkt oder nachgestellt werden muss, steht in der Herstelleranleitung.
In der Praxis
Beim Kauf zählt, wie weit sich das Blatt neigen lässt und wie viel Schnitthöhe bei 45 Grad übrig bleibt. Das Datenblatt nennt beide Werte, und sie unterscheiden sich zwischen Mini-, Baustellen- und Profisägen deutlich. Wer diese Angaben nebeneinanderlegen möchte, sieht sich dazu die Modelle in der Datenbank an. Achte außerdem darauf, ob Skala und Anschlag auch bei geneigtem Blatt ohne Basteln nutzbar bleiben.
Weiter im Glossar
- Gehrungsschnitt
- Schnitthöhe
- Tischeinlage
- Nullspalteinlage
- Spaltkeil
- Winkelanschlag
- Parallelanschlag
- Schnittbreite
Kurz beantwortet
Wie weit lässt sich das Blatt bei einer Tischkreissäge neigen?
Üblich sind 45 Grad zu einer Seite, einige Modelle schaffen etwas mehr oder neigen in beide Richtungen. Neigungsrichtung und maximaler Winkel stehen im Datenblatt. Je stärker du neigst, desto weniger Schnitthöhe bleibt dir.
Was ist der Unterschied zwischen Schrägschnitt und Gehrungsschnitt?
Beim Schrägschnitt kippt das Blatt, das Werkstück liegt gerade am Anschlag. Beim Gehrungsschnitt bleibt das Blatt senkrecht, und das Werkstück steht schräg zum Blatt. Beide lassen sich zur Doppelgehrung kombinieren, etwa für Kronleisten.
Muss ich bei geneigtem Blatt etwas an der Tischeinlage beachten?
Ja, der Schlitz muss weit genug sein, damit das Blatt frei schwenkt. Eine enge Nullspalteinlage ist oft nur für den senkrechten Schnitt gedacht. Verwende nur Einlagen, die der Hersteller für die Neigung vorsieht, und prüfe bei ausgeschalteter, vom Netz getrennter Säge von Hand, ob nichts anschlägt.



