Glossar · Schnitte & Technik

Gehrungsschnitt

Definition

Beim Gehrungsschnitt steht das Werkstück schräg zum Sägeblatt, während das Blatt senkrecht bleibt. Auf der Tischkreissäge entsteht so ein Winkelschnitt in der Breite, etwa 45 Grad für Rahmenecken, geführt vom Gehrungsanschlag oder einem Schiebeschlitten mit Winkelskala.

Kurz erklärt

Zwei Teile, die an einer Ecke zusammenlaufen und jeweils auf Gehrung geschnitten sind, bilden einen sauberen Winkel ohne sichtbares Hirnholz. Deshalb nutzt man diesen Schnitt für Bilderrahmen, Zargen, Sockelleisten und Korpusecken. Das Blatt steht dabei im rechten Winkel zum Tisch, gedreht wird nur das Werkstück: Der Gehrungsanschlag wird in der Tischnut auf den gewünschten Winkel gestellt und zusammen mit dem Teil am Blatt vorbeigeführt. Üblich ist ein Einstellbereich von meist etwa 60 Grad nach links und rechts, häufig mit Rasten bei 22,5 und 45 Grad.

Welcher Winkel gebraucht wird, ergibt sich aus der Zahl der Ecken: Ein vierseitiger Rahmen braucht an jedem Leistenende 45 Grad, ein Sechseck 30 Grad, ein Achteck 22,5 Grad. Wichtig ist die Genauigkeit, denn kleine Fehler addieren sich. Weicht jede Gehrung um ein halbes Grad ab, kann sich das an einem vierteiligen Rahmen zu mehreren Grad Fehler summieren und zu sichtbaren Fugen führen. Deshalb lohnt der Probeschnitt an Restholz und der Abgleich mit Winkelmesser oder Anschlagwinkel, bevor du die Teile auf Maß sägst.

Verwechsle den Gehrungsschnitt nicht mit dem Schrägschnitt: Bei der Gehrung dreht sich das Werkstück, beim Schrägschnitt kippt das Blatt. Kombiniert man beides, spricht man von einer Doppelgehrung, wie sie bei Kronleisten oder Pyramiden nötig ist. Typische Fehler sind Spiel des Anschlags in der Tischnut, ein Werkstück, das beim Vorschub seitlich wegwandert, und der gleichzeitige Einsatz von Gehrungs- und Parallelanschlag direkt am Blatt. Gegen das Wandern helfen Schleifpapier auf der Anschlagfläche oder ein verlängerter Holzanschlag. Spaltkeil und Schutzhaube bleiben selbstverständlich montiert.

Worauf es ankommt

Für exakte Gehrungen ist ein Schlitten mit Winkelskala oft bequemer als der mitgelieferte Gehrungsanschlag, weil er breiter auflagert und weniger Spiel hat. Wenn deine Säge ab Werk keinen hat, lässt sich meist ein Schiebeschlitten nachrüsten, sofern Tischnut und Tischgröße passen. Prüfe vor dem Kauf außerdem, bis zu welchem Winkel sich der Anschlag nach beiden Seiten drehen lässt und ob er sich ohne Wackeln feststellen lässt.

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Fragen und Antworten

Welcher Winkel ist für einen Bilderrahmen richtig?

Für einen rechteckigen Rahmen schneidest du jede Leiste an beiden Enden mit 45 Grad, sodass die Ecken zusammen 90 Grad ergeben. Gegenüberliegende Seiten müssen exakt gleich lang sein. Säge zuerst ein Probeeckstück und prüfe es mit dem Anschlagwinkel.

Wie genau ist der mitgelieferte Gehrungsanschlag?

Die Skala dient als grobe Orientierung. Für Rahmen und Korpusse stellst du den Winkel mit Winkelmesser oder Probeschnitt nach. Spiel in der Tischnut verschlechtert das Ergebnis; ein stramm sitzender Anschlag oder ein Schlitten bringt mehr Präzision.

Kann ich eine Gehrung auch mit geneigtem Blatt sägen?

Ja, das nennt sich Schrägschnitt und verändert die Schnittfläche in der Dicke statt in der Breite. Kombinierst du Neigung und Anschlagwinkel, entsteht eine Doppelgehrung. Dann sinkt die nutzbare Schnitthöhe, und die Einlage braucht genug Spielraum für das geneigte Blatt.

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