Definition
Für Rahmenecken, Leisten und schräge Zuschnitte schiebst du das Werkstück am Gehrungsanschlag vorbei. Seine Führungsschiene gleitet in der Tischnut, der drehbare Kopf zeigt den Winkel auf einer Skala an und rastet bei häufig gebrauchten Werten ein.
Einordnung
Zwei Gehrungen zu je 45 Grad ergeben eine saubere rechtwinklige Ecke, und genau dafür ist dieser Anschlag gemacht. Der Kopf lässt sich um seine Achse drehen, der Winkel bezieht sich dabei auf die Draufsicht: Das Brett steht schräg zum Blatt, das Blatt selbst bleibt senkrecht. Das unterscheidet die Gehrung vom Schrägschnitt, bei dem das Blatt gekippt wird. Eine Klemmung hält den eingestellten Winkel fest, eine Anlageleiste aus Holz oder Metall stützt das Werkstück über die gesamte Länge.
Rasten gibt es häufig bei 0, 15, 22,5, 30 und 45 Grad, der Einstellbereich reicht meist bis 45 oder 60 Grad zu jeder Seite. Der Winkel für einen Rahmen mit n Seiten ergibt sich als 180 geteilt durch n: vier Seiten brauchen 45, sechs Seiten 30 und acht Seiten 22,5 Grad. Die Anlageleiste ist oft 100 bis 300 mm lang und lässt sich mit aufgeklebtem Schleifpapier gegen Wandern des Werkstücks sichern. Wichtig ist ein straffer Sitz der Schiene in der Nut, sonst verschiebt sich der Winkel schon beim Anschieben.
Bei vier Ecken addiert sich jeder Winkelfehler: Weicht jede Gehrung um ein halbes Grad ab, klafft der Rahmen am Ende um ganze zwei Grad. Deshalb gehört vor das Original immer ein Probeschnitt mit Reststücken. Werkstücke wandern gern in Richtung Blatt, wenn sie nicht fest am Anschlag gehalten werden; ein Anschlagblock oder ein Zwingenpaar hilft. Abzugrenzen ist der Gehrungsanschlag vom Winkelanschlag, der vor allem zum Ablängen dient, und vom Schiebeschlitten, der große Platten präziser führt, als es eine Nutenschiene vermag.
In der Werkstatt
Wer viel Bilderrahmen, Sockelleisten oder Kästen baut, sollte auf einen Anschlag mit großer Skala, zuverlässiger Rastung und möglichst wenig Spiel in der Nut achten. Eine Verlängerung der Anlage gehört dazu, denn sie stützt das Werkstück auch hinter dem Blatt und verhindert, dass es kippt. Bei sehr langen Leisten oder dicken Balken kann eine Kappsäge bequemer sein; in welchen Fällen das so ist, erklärt der Vergleich im Ratgeber. Mehr dazu: wann eher eine Kappsäge sinnvoll ist.
Verwandte Begriffe
- Winkelanschlag
- Gehrungsschnitt
- Schrägschnitt
- Querschnitt
- Parallelanschlag
- Schiebeschlitten
- Schiebestock
- Tischeinlage
Fragen und Antworten
Welchen Winkel brauche ich für einen rechteckigen Rahmen?
Für vier Ecken stellst du je 45 Grad ein, denn zwei Gehrungen ergeben zusammen 90 Grad. Bei sechs Seiten sind es 30, bei acht Seiten 22,5 Grad. Schneide beide Teile einer Ecke mit gespiegelter Einstellung und prüfe zuerst mit Reststücken.
Warum klafft meine Gehrungsfuge trotz eingestellter 45 Grad?
Meist weicht die Skala um ein halbes Grad ab, das Werkstück wandert beim Schnitt, oder die Führungsschiene hat Spiel in der Nut. Justiere den Anschlag anhand eines Probeschnitts, sichere die Anlage mit Schleifpapier und halte das Werkstück fest am Anschlag.
Kann ich Gehrungsanschlag und Parallelanschlag zusammen nutzen?
Nicht gleichzeitig am selben Zuschnitt: Das abgetrennte Stück würde zwischen Blatt und Parallelanschlag eingeklemmt. Für wiederholt gleiche Längen nutzt du stattdessen einen Anschlagblock am Gehrungsanschlag, der deutlich vor dem Blatt endet, damit der Abschnitt frei wegfallen kann.



